Trockenübungen oder: Wer rastet der rostet

Im Januar, auch noch im Februar, wenn die Treib- bzw. Drückjagdsaison vorüber ist, ist es noch ein Genuss, unsere zwei- und vierläufigen Jagdbegleiter zu beobachten: topfit, schlank und voller Ausdauer, Herr wie Hund.

Welch trauriges Bild bieten dagegen die Vierläufer ein halbes Jahr später, wenn es wieder heißt: Aufbruch zur (Treib)Jagd.

Träge und fett schnaufen sie hinter ihrem Herrn her. Sticht einer der Hunde nach müder Suche einen Hasen aus der Sasse, will ihm lauthals folgen, vergrößert sich der Abstand zwischen Mümmelmann und seinem Verfolger in Sekunden um ein Vielfaches, und bereits sehr bald kommt Gesa, Waldi, Treff oder wie immer der treue Begleiter heißen mag, im Zeitlupentempo völlig erschöpft zu seinem Führer zurück geschlichen, hat die „wilde“ Jagd freiwillig abgebrochen.

Rolliert Meister Lampe in der Schrotgarbe eines glücklichen Schützen, stürzen sich zu Anfang der Jagdzeit mitunter die Hunde rudelweise auf den erlegten Mümmelmann. Appell und Disziplin der vorangegangenen langen jagdarmen Zeit sind völlig vergessen (weil wenig mit Herrchen geübt). Schließlich apportiert einer aus der hoffnungsvollen Meute mit letzter Kraft den Hasen, den er normalerweise, soll heißen zum Ende der Jagdzeit, in wenigen Momenten bringt, zwischendurch immer wieder auf den Boden legend und nachfassend, innerhalb vieler langer (banger) Minuten.

Nötig ist so ein Fiasko (und die Blamage vor den Mitjägern) nicht. Wird der Hund nach „Hasensylvester“ in den Zwinger gesperrt und vor September/Oktober bis auf kurze Spaziergänge nicht gefordert und gefördert, sind seine mangelhaften Leistungen nicht verwunderlich. Dabei ist es kein Problem, den vierläufigen Jagdhelfer (und sich selbst) mit Wanderungen und Fahrradfahrten fit zu halten. Zumindest den Bewegungsapparat ausreichend in Form zu halten, ist relativ einfach.

Auch die Apportierleistung durchs Jahr hindurch zu üben ist wichtig und nicht schwierig.

So wie Muskeln des Bewegungsapparates trainiert werden können, so können (und müssen) es auch die des Nackens, sie sind mit ausschlaggebend für die Apportierfreude des Hundes, zumindest am Anfang der Jagdzeit, wenn er unter schlechten Bedingungen noch vom Muskelkater durch die Arbeit des Vortages geplagt ist. Damit sich eine starke Halsmuskulatur bildet und hält, bedarf es ständiger Übungen. Ein schwerer Apportierbock hat sich hier bewährt. Beim Spaziergang mit meiner Kleinen Münsterländer Hündin begleitet uns stets ein etwa vier Kilogramm schwerer Apportiersack. Zu Anfang unseres Ganges lasse ich die Hündin frei laufen. Fast immer löst sie sich schon nach kurzer Zeit. Anschließend geht sie unangeleint bei Fuß, und trägt das schwere Apportel. Diese Übung erfolgt täglich zehn bis fünfzehn Minuten lang. Wenn die Zeit reicht, folgen eine Gehorsams- sowie eine Bringübung über 300 bis 400 Meter, und immer, wenn Hund und Herr zufrieden waren, gibt es ausreichend Lob und Leckerbissen. Bietet sich die Gelegenheit, lasse ich meine Hündin eine Viertelstunde mit dem Apportiersack neben dem Fahrrad traben. Ich habe den Eindruck, es macht ihr großen Spaß.

Gemeinsam haben wir auf jeden Fall immer Freude auf den ersten Niederwildjagden, bei denen wir, oft als einzige Teilnehmer, keine Konditionsprobleme kennen, während manche „Kollegen“ (Zweibeiner und Vierläufer) nach monatelanger Ruhezeit und Untätigkeit lange Wochen benötigen, bis sie wieder in Form sind.

Text: Gert G. von Harling

Beitragsbild: Fotolia

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