Wenn die Passion zur Sorge wird

Während ich meine Streckenliste fürs nun zu Ende gehende Jagdjahr ausfülle, auf die wenigen Einträge schaue, muss ich leider eher traurig und enttäuscht, als erfüllt zurückblicken. Eigentlich hatte das Jagdjahr gar nicht so schlecht angefangen. Im Mai fiel nach erstmaligem Wärmebildeinsatz gleich ein Wildschwein. Dann kamen auch schon die ersten heißen Tage. Mitjäger waren aus verschiedenen Gründen weniger im Revier, und wenn dann ohne Erfolg.

Bei einem hing ich so in der Luft, dass ich nicht wusste wie es hier weitergehen sollte. Und ja, ich war sauer. Denn es kam nicht einmal eine Rückmeldung, was, wie, wo. Ob er nur 2 Wochen verhindert wäre oder ganz aufhören wollte. Erst nach fast drei Monaten hatte ich hier eine Antwort, welche mir leider keine Lösung für erhöhte Chancen auf Wild brachte. Somit saß ich oft und eben mit nur einem Hinter leider meist erfolglos an. Im September konnte ich einen interessanten Bock erlegen, dem ein Stück einer Gehörnspitze fehlte. Jeder Anblick, jedes erlegte Stück brachte mir die Freude am Jagen wieder etwas näher. Jedoch schlugen mir die Sorgen, die ein heißer Sommer, fehlende Hilfe und der ausbleibende Jagderfolg auslösten schwer auf körperliche Gesundheit und die Psyche. Ich dachte bereits ans Aufhören.

Eine kurze Auszeit mit meiner Hündin im Schwarzwald tat zwar gut, jedoch war es nicht die Lösung des Problems. Ich freute mich auf den Winter. Im Winter ging bisher meist mehr. Vor allem wenn es richtig kalt war oder Schnee lag. Leider wurde mir hier die Möglichkeit auf die Jagd an zwei meiner angenommenen Saukirrungen und auch sonst relativ zuverlässigen Plätzen im Revier schnell durch einen großen Holzeinschlag seitens des Forsts genommen. Oft ging ich mit meinem Hund ins Revier und musste feststellen, dass entweder gar kein oder selbst mit Allrad sehr geringes Durchkommen vor allem zum Bergen von Wild an abgelegenen Sitzen möglich war. Somit saß ich jeden verfügbaren Tag im Winter an den noch verbleibenden leider jedoch schlechter besuchten Plätzen an, um die Wildbretanfragen zu bedienen und somit noch einen kleinen Teil zur Pacht beizutragen.

Natürlich müssen die erwähnten Holzeinschläge vorgenommen werden, gerade jetzt nach den vielen Käferbäumen. Auf Nachfrage beim Amt, ob denn die eine Gasse, welche ich schon öfters dort erwähnte, dann etwas aufgefüllt werden könne, wenn die Wege wieder instand gesetzt werden, erntete ich lediglich mit Unverständnis behaftete Antworten, mitunter auch dass ich ja selbst mal 200€ in die Hand nehmen könne. Da ich leider keine Golddukaten auf dem WC produziere, mich die Pacht jährlich schon 2000€ für 100h kostet: Sorry, no way. Ich habe auch noch ein normales Leben, dass aufgrund dieser jährlichen Belastung schon stark eingeschränkt ist. Manch einer denkt sich nun: Haste doch vorher gewusst. Wohl wahr. Jedoch war die Planung zwecks der Bewirtschaftung dieses Reviers ursprünglich eine andere. Es war intern für zwei Leute gedacht als Jagdherren.

Nun gut, es gibt Differenzen im Leben, aus denen lediglich noch eine Trennung der Freundschaft als Lösung hervorgeht. Dazu kommen noch die alltäglichen Sorgen, die Finanzen die einem zur Verfügung stehen und einiges mehr. Auch erhielt ich Aussagen wie „hast doch keinen Wildschaden, brauchst dich doch gar nicht verrückt machen.“ Wer sein Revier pachtet und dies aus der Portokasse bezahlt Glückwunsch! Ich bin jedoch eine von denen, die auch einen Teil der Wildbretvermarktung miteinrechnet. Wer mit dem Gedanken spielt ein Revier zu pachten, sollte auf jeden Fall den Ernstfall durchgehen. Und vor allem schauen, ob er so viel auf der Seite hat, um beim Ausbleiben von Wildbreterträgen die Pacht und alle anfallenden Kosten, auch einmalige große Posten (Kanzelmaterial, Wildkühlschrank, Salz, Mais und anderes Kirrgut, Gerätschaften, etc. ) trotzdem noch sorglos tragen kann. Klar hätte ich versuchen können sofort den Pachtvertrag zu canceln oder einen Nachpächter zu suchen. Wenn ich jedoch in ein Projekt Herzblut und Leidenschaft gesteckt habe, gebe ich für gewöhnlich nicht so schnell auf. Auch wenn es mir am Ende mehr Schaden als Gutes zufügt.

Und um nochmals auf diverse Zuwege zu Kirrungen etc zu kommen, auch so etwas schaute ich mir anfangs an. Da der eigentliche Mitpächter ebenfalls nicht hier vor Ort wohnte, machte ich mir natürlich schon vor der Bewerbung auf dieses Revier Gedanken, wie es mit Bergen von etwas schwereren Wild aussieht und ob ich mit Allrad zur Not doch etwas näher an die Plätze komme. Nun gut, irgendwann ist halt so eine, auch wenn mal vor 10 Jahren aufgefüllte Grasgasse eher ein Schlammspa als noch befahrbar. Der Fahrer des Holzlasters fand meine Anwesenheit im Revier neulich wohlgemerkt auch recht nett, da er selbst auch skeptisch war, da wieder rauszukommen. Und nein, mein Fuhrpark beinhaltet leider keine forstwirtschaftlichen Fahrzeuge mit denen ich hier unbeschadet arbeiten könnte. Sollte mir hier ein stärkeres Stück Schwarzwild kommen, kein Bergetrupp verfügbar sein, werde ich eben auf Methoden wie in Alaska zurückgreifen und dies vor Ort grob zerwirken. Natürlich mit Unterlage, Wasser etc. Aber ja, der Gedanke daran stimmt mich nicht wirklich freudig.

Als ob dies nicht alles schon genug wäre, erfuhr ich, dass die Leute (vorwiegend die Jägerschaft) wohl schlecht über mich reden und im Forstamt hätte ich wohl mittlerweile eine sehr schlechte Lobby. Warum? Nun, weil ich ein direkter ehrlicher Mensch bin. Weil ich direkt sage was man eventuell ändern könne, um eine effizientere oder überhaupt eine Bejagung vornehmen zu können.? Ich nehme mich nicht aus von negativen Aussagen über diverse Mitmenschen, aber wenn’s denn ganz schlimm ist sag ich das
gerne in das jeweilige Gesicht. Auch stehe ich zu meiner Meinung und vertrete sie, so ich sie auch nach einer Konversation darüber mit Mitmenschen für richtig halte. Erst bei der Hegeringversammlung vor einigen Tagen trat ein Nachbarjäger an mich ran und meinte, dass jemand der mit mir jagt erzählen würde, ich hätte 10 Böcke erlegt (da meine Streckenliste gesamt nur 9 Rehe dieses Jagdjahr beinhaltet sowieso ausgeschlossen). Er fände die Art über Dritte zu kommunizieren nicht gut. Auf mein Anfragen um welchen Jäger es sich handelt, kam natürlich die Aussage, dies könne er mir natürlich nicht sagen. Um es mal etwas vulgärer auszudrücken: was soll so eine Scheiße? Was ist das mittlerweile für ein Kindergarten? Eine eigene Meinung darf man nicht haben und vertreten. Den Mund aufmachen wenn einem etwas nicht gefällt sollte man tunlichst vermeiden. Böse und unehrliche Worte gegen einen selbst muss man hinnehmen und auch hier am besten nichts hinterfragen. Für mich ist Jagd Kameradschaft, Freude an der Natur und der Bewirtschaftung des eigenen Reviers, Mithilfe bei anderen Revieren, Mitwirkung auf Drückjagden und auch Repräsentation der Arbeit eines Jägers gegenüber den nichtjagenden Mitbürgern. Es gibt so viele Facetten die die Jagd mit sich bringt, die meine Leidenschaft waren. Nun mache ich mir natürlich jeden Tag Gedanken wie es weitergehen soll. Meinen Fokus werde ich nun erstmal auf meine Gesundheit und auch den Sport legen. Gut für den Körper, die Seele, Zeit mit meiner Hündin und schon immer hilfreich bei den oben angesprochenen Bergesituationen.

Nein, das hier soll kein Jammerpost sein. Aber ich frage mich mittlerweile wo dies alles hinführen soll? Wenn wir unter uns Jägern, und ich bin weiß Gott nicht die einzig Betroffene, schon so unstimmig und unehrlich sind, wie sollen wir dann den Jagdgegnern oder anderen schwierigen Situationen mit der nichtjagenden Bevölkerung
gegenüberstehen? Warum macht man so eine alte, geschichtlich und bis heute wertvolle Passion vielen Jägern madig? Ich wünsche keinem etwas Böses, jedoch ein Treffen mit sich selbst, in einer schwierigen, aussichtslos erscheinenden Situation.

In diesem Sinne ein frohes neues Jagdjahr und Waidmannsheil.

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