Wie alles begann…

Sie lassen ihre Vergangenheit hinter sich, blicken jetzt nach vorn. Beide knapp über Siebzig, ein wenig wackelig auf den Beinen, weil Lungen und Herzen leicht angeschlagen sind durch das hinter ihnen liegende Chaos.

Sie kennen sich seit fast vierzig Jahren, waren äußerst erfolgreiche Selbständige, jeder auf seinem Spezialgebiet, hatten darum Neider, ertrugen das Damoklesschwert der Insolvenz, ohne dem Alkohol zu verfallen oder sich umzubringen, und müssten nunmehr von ihren kargen Renten leben, hätten sie nicht treue Familienangehörige und Freunde.

Gerade ihre Lieben, die in der schwierigsten Zeit zu ihnen gehalten haben, helfen nun mit, ihren Lebensabend als Jäger aufzufrischen.

„Wir gönnen es euch“, argumentieren sie, „fahrt los, ihr habt lange genug gearbeitet, macht euch ein schönes Leben, aber“, fügt Silberlockes Frau hinzu, „das Flöchen müsst ihr mitnehmen. Ich kann sie nicht mit zur Arbeit nehmen!“

Der Macher im Team. Codename: Silberlocke

Silberlocke bekam den Spitznamen aus purem Neid einiger Kahlköpfiger: Sein Haupthaar trotzt allen Einflüssen und wächst beständig. Überlang legt es sich zur Welle, im Sonnenlicht silbern glänzend. Die Seitenhaare bedecken die Ohren, in denen fast unsichtbar die Hörhilfen stecken. Will man von Silberlocke verstanden werden, sollte man lauter sprechen, Flüsterer haben keine Chance. Wenn er so eigenartig lächelt und nahezu ins Leere blickt, hat er akustisch nichts verstanden. Und immerzu nachzufragen, was man gerade gesagt habe, fällt ihm sichtlich schwer.

Er ist der Denker der Truppe. Codename: Einstein

Einstein! Wieso dieser Spitzname?

Albert Einstein galt als anstrengender Schüler, der zwar gute Leistungen in naturwissenschaftlichen Fächern zeigte, aber mit den Lehrern und dem damaligen Erziehungssystem seine Schwierigkeiten hatte.

Welche Parallelen, als er von seinem Leben als Schüler berichtet und nicht ohne Stolz den letzten Spruch des Direktors bei der Übergabe des Abi-Zeugnisses zitiert: „Wir sind froh, dass wir dich los sind!“ Auf Kriegsfuß mit selbsternannten Autoritäten stehend, Uniformierte mit ihrem Kommando-Ton hassend, grundsätzlich alle Aussagen in religiöser oder geschichtlicher Hinsicht hinterfragend, so kennt man ihn eben, unangepasst, philosophisch spöttelnd, mit liebenswertem Charisma, wie Einstein damals.

Sie wurde nicht gefragt. Codename: Flo

Florentine, genannt Flo oder Flöchen, die dritte im Bunde: Eine gelungene Mischung aus einem Zwergschnautzer und einem Zwergpudel, in Amerika als „Schnoodle“ bekannt. Eine liebenswerte, aufmerksame kleine Hündin, neugierig und gelehrig.

Wenn sie unbekannte Treppen hinaufeilt und nicht erkennen kann, ob dort oben womöglich etwas Feindseliges lauern könnte, dreht sie sich auf der Stufe um und klettert die letzten Stufen rückwärts hinauf. Zuschauer biegen sich vor Lachen.

Dieses Verhalten weist darauf hin, dass sie sich sagt, dem Feind zeige ich mein Hinterteil, dann kann er mir nichts tun!

Was für eine Denkleistung!

Vielleicht auch eine Fehlinterpretation unsererseits. Wer weiß das schon?