Ehemalige Jagdfreunde

Beide Rentner frischen ihre Beziehungen zu ehemaligen Jagdfreunden auf. Klassenkameraden in der Lüneburger Heide, die bereits als Sechzehnjährige den Jugendjagdschein erworben hatten, Jagdkollegen in der Eiffel, der Rhön oder im Hunsrück werden angerufen:

Sie alle erinnern sich an herrliche Jagderlebnisse, als Silberlocke und Einstein eigene Niederwildreviere hier im Münsterland gepachtet hatten und sie als Jagdgäste Fasanen, Hasen und Enten jagen konnten. Im Gegenzug haben sie Wildschweinen  und Rotwild in deren Revieren nachstellen dürfen. Als selbständige Unternehmer kamen sie selten in den Genuss, den zahlreichen Einladungen zu folgen.

Dann kam die Zeit, in der Silberlocke und Einstein keine Reviere mehr pachten konnten. Prompt, wie kann es anders sein, schliefen die Beziehungen ziemlich ein. Wer nicht zur Jagd laden kann, wird vergessen: Aus den Augen, aus dem Sinn! Das ist menschlich!

Umso erstaunlicher, mit welcher Freundlichkeit auf die Anrufe reagiert wird: „Selbstverständlich, kommt jederzeit, ihr seid herzlich gern gesehen, vor allen Dingen um den Vollmond herum! Wegen der Sauen!“

Enthusiastisch kommen sie ins Schwärmen. „Man hat uns nicht vergessen“, frohlockte Silberlocke, während Einstein darüber sinnierte, vielleicht hätte er doch engeren Kontakt halten sollen über die Jahre, statt seinen Jagdschein ruhen zu lassen. „Wenn man mich nicht mehr einlädt, dann ist das eben so. Ich mag es nicht, zu betteln“, begründet er seine wenigen Kontakte.

Sofort wird eine Liste angelegt, vermerkt mit den Namen, Orten und Handy-Nummern der potentiellen Jagdkollegen.

Die App „Jagdwetter“ auf dem Smartphone zeigt bei jedem beliebigen Ort in Deutschland an, welches Wetter herrscht, welche Temperaturen, wie der Mond steht, in welchem Bundesland der eingegebene Ort liegt und welche Jagdzeiten für welches bejagbare Wild gelten.

Interessant wird die Frage, wie flexibel sie eigentlich sein wollen, und mit welchem Fahrzeug. Nur bei Mond unterwegs, nur am Wochenende, auch während der Woche? Geile Geländekarre mit Allrad oder winterfester Campingbus?

Silberlocke fährt am ersten Wochenende an die Mosel. Ein Jagdpächter hat ihn eingeladen. Vollmond, viele Sauen sind im Weizen. Einstein kann nicht mitfahren, das Treffen ehemaliger Klassenkameraden war Pflicht.

Dieser Trip bringt aufschlussreiche Erkenntnisse für die weitere Planung.

Am Montag berichtet Silberlocke. Einstein registriert:

Fahrt drei Stunden, Ankunft Hotel, Zimmer, Treffen mit dem Jagdaufseher, Fahrt zum Hochstand, leicht wieder zu finden, Allrad wäre unnötig; Rückkehr zum Hotel, Freizeit, Abendessen, Fahrt zum Hochstand gegen 20.00 Uhr. Ricke mit zwei Kitzen. Sonst pure Natur. Herrlich. Gegen 5.00 Uhr abgebaumt, zum Hotel, 9.00 Uhr Frühstück mit dem Pächter.

Folgender Hinweis des Pächters mahnte Silberlo>“Wenn ein Jagdgast mittags anreist und abends auf Schweine angesetzt wird, was mache ich mit ihm während der restlichen Zeit?“

Fakt: Hotel-Zimmer, Getränke und Abendessen kosten etwa 80 Euro. Der Pächter ist kein Animateur.

Daraus folgt: Kein geiler Geländewagen mit Allrad, sondern ein winterfester Campingbus mit WC. „Wir müssen schließlich müssen“, erklären beide Rentner augenzwinkernd, „und im Winter brauchen wir Wärme!“